Geschichte der deutschen Burschenschaft

Erste Formen studentischer Verbindungen entwickelten sich im 13 Jahrhundert an den frühen Hochschulen des Mittelalters in Italien und später im damaligen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen. Die Studenten waren in wohnheimartigen Gebäuden in Wohngemeinschaften untergebracht, den so genannten "Bursen" aus denen sich später der Begriff Bursch ableitete. Die Studentenzahlen der damaligen Zeit waren nicht mit den heutigen vergleichbar, so schätzt man die Zahl der Studenten im 15 Jahrhundert auf ca. 6000.

Vor allem im Heiligen Römischen Reich entwickelten sich die Formen des Verbindungswesens die in die Korporationen heutiger Prägung mündeten. Die erste deutschsprachige Universitätsgründung erfolgte 1348 in Prag, bald folgten Wien und Heidelberg. An den verschiedenen "hohen Schulen" entwickelte sich aus den ursprünglichen Bursen die späteren Landsmannschaften, Orden und Corps. Die Studenten standen oft in Gegensatz zu den Bürgern Ihrer Universitätsstadt. Dies lag einerseits daran, dass die Studenten sich als ein privilegierter Stand betrachteten und dies mit dem Recht einen Degen tragen zu dürfen ( was nur dem Adel und dem Militär zustand) auch demonstrierten. Auch war das Studentenleben der vergangenen Jahrhunderte von wüsten Gelagen, Raufhändel und ähnlichen Ereignissen gekennzeichnet , die auch bei manchem Bürger Spuren hinterließen.

Dicht vor der Schwelle zum 19.Jahrhundert war die Verbindungslandschaft von Landsmannschaften und Corps dominiert, die gewisse Symbole ihrer Gemeinschaft aus dem Umfeld der freimaurischen Orden entlehnt hatten ( Aus dieser Zeit stammt der Brauch , dass sich jede Verbindung einen sog. Verbindungszirkel entwarf der von jedem Mitglied bei einer Unterschrift hinter den Namen angefügt wurde ).

Nach dem Siegeszug Napoleons und den deutschen Freiheitskriegen 1813 ging eine nationale Strömung durch die Bevölkerung und vor allem durch die Studentenschaft. Viele Studenten hatten in so genannten Freikorps gegen den französischen Besatzer gekämpft und erhofften sich einen demokratisch, durchaus monarchistisch geprägten deutschen Einheitsstaat, und kein Vaterland, dass aus 38 absolutistisch regierten Kleinstaaten bestand.. Doch der Wiener Kongress machte all die Hoffnungen auf einen demokratischen Einheitsstaat, in dem Werte wie Briefgeheimnis, Freiheit der Presse und Meinungsfreiheit gelten sollten, zunichte.

So gründeten die Studenten am 12.6.1815 in Jena die Urburschenschaft. Sie wandten sich mit ihrem Wahlspruch "Ehre, Freiheit, Vaterland" gegen die Beschlüsse des Wiener Kongresses. Als Farben wählten sie Schwarz-Rot-Gold, die Farben die ihren Uniformen aus den Freiheitskriegen entsprach. Sehr schnell erfolgten Gründungen von Burschenschaften in Breslau, Erlangen , Heidelberg und anderen Städten

Am 18.10.1817, dem Jahrestag der Reformation (1517) und der Völkerschlacht bei Leipzig (1813), fand bei Eisenach das Wartburgfest statt. Die teilnehmenden 500 Studenten kamen aus ganz Deutschland. Sie verfassen gemeinsame Grundsätze und Beschlüsse; auch ein erster Dachverband aller Burschenschaften, die "Allgemeine Deutsche Burschenschaft", wurde gegründet. Ziel der Burschenschaft war immer der Einsatz für einen demokratischen Nationalstaat. Diesen Zielen blieben die Burschenschaften auch in der Zeit der Verfolgung und der Verbote treu ( 1819 wurde die Burschenschaft das erste Mal durch Metternich in den so genannten "Karlsbader Beschlüssen" verboten).
Das Hambacher Fest 1832 in der Pfalz, die Revolution 1848 und daran anschließend die stark von Burschenschaftern geprägte Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche, bildeten Höhepunkte der burschenschaftlichen Geschichte . Die deutschen Burschenschaften waren damals der wichtigste Träger des nationalen Freiheits- und Einheitsgedankens. Es war daher nicht verwunderlich, daß in der Nationalversammlung - nach verschiedenen Quellen - bis zu 156 Burschenschafter neben zahlreichen weiteren Korporierten vertreten waren. Am 18. Mai 1848 fand die erste konstituierende Sitzung der Nationalversammlung statt. Bereits am 9. März 1848 wurden die Farben Schwarz-Rot-Gold zu denen der Freiheit, die am 31. Juli 1848 auch von der Nationalversammlung zu den Nationalfarben erklärt wurden.

Das scheitern der Revolution bedeutete wiederum eine längere Periode des Verbotes für die Burschenschaft. Mit der Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches wurden die Burschenschaften staatstragend , sahen sie doch durch die vollzogene Einheit ihren Traum vom einigen Staat erfüllt.

Eine Zeit der Blüte und Konsolidierung begann. Die Altherrenschaften begannen die noch heute bestehenden Verbindungshäuser zu kaufen und die Mitgliedschaft in einer Verbindung bedeutete eine gewisse gesellschaftliche Stellung für das Mitglied.

Zu Begin des ersten Weltkrieges zogen tausende von jungen und alten Burschenschafter in den Krieg. Nach Ende des Krieges waren über 3300 gefallen.

Mit der Machtergreifung Hitlers kamen auch die Burschenschaften in arge Bedrängnis und wurden 1936 verboten. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges zogen auch viele Burschenschafter in den Krieg und wieder fielen tausende von ihnen oder kamen bei Flucht und Vertreibung um.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges glaubte niemand mehr das die Studentenverbindungen wieder in ihrer alten Form existieren könnten. Doch sehr rasch fanden sich die Altherrenschaften der Burschenschaften wieder zusammen und gründeten ihre Verbindungen und ihren Dachverband, die Deutsche Burschenschaft, wieder neu. Vor allem Angehörige der Kriegsgeneration waren es, die sich nach der festen Gemeinschaft eines Lebensbundes sehnten und auch die Herausforderung des studentischen Fechtens suchten. Daher gelang auch die rasche Etablierung von aktiven Burschenschaften.

Nach der Wiedervereinigung gelang es vielen Burschenschaften sich wieder an ihren alten Hochschulorten zu etablieren.

Heute existieren über 100 Burschenschaften in der Bundesrepublik Deutschland und in der Republik Österreich , die aus ca. 15 000 Alten Herren und über 2000 Aktiven bestehen.

Die Geschichte der Burschenschaft Rheno-Alemannia

Die ersten burschenschaftliche Spuren finden sich in Konstanz im Jahre 1848, als der Revolutionär und Burschenschafter Friedrich Hecker die badische Republik ausrief. Danach dauerte es bis in das Jahr 1890, das sich in Konstanz wieder burschenschaftliche Spuren finden. In diesem Jahre wurde die VAB ( Vereinigung Alter Burschenschafter = die Angehörige aller Burschenschaften die ihr beruflicher Weg nach Konstanz führte ) gegründet.

Konstanz selber wurde Mitte der 1960er Jahre zur Hochschulstadt , durch die Gründung der jüngsten Hochschule in Baden-Württemberg.

Im Jahre 1979 beschlossen die Mitglieder der VAB Konstanz die Gründung einer Burschenschaft , der Burschenschaft Rheno-Alemannia. Die ersten Mitglieder wurden an der Universität mit jungen engagierten Studenten gefunden und bald verfügte unser Bund über eine starke Aktivitas. 1982 wurden wir Mitglied im Dachverband der Burschenschaften, der Deutschen Burschenschaft. Mitte der 80er Jahre bezogen wir eine Wohnetage im Stadtzentrum Konstanz , die über einen großen Festsaal und drei Studentenzimmern verfügte.

1990 wurden unsere heutigen Aktivenräume in der Schneckenburgstraße 26 von uns bezogen.
Unsere Burschenschaft bekennt sich zu studentischem Fechten und verlangt von jedem Mitglied das schlagen einer scharfen Mensur.

Unser Bund besteht heute aus über 60 Mitgliedern, Aktiven und Alte Herren. Es sind Vertreter aller Studienrichtungen an der Universität Konstanz bei uns zu finden. Unsere Alte Herren sind als Manager, Unternehmensberater, Bürgermeister, Journalisten oder in anderen herausfordernden Berufen tätig.